Erste Reise NachOsten 2013

Verfasst am: 06.05.2014

Im Herbst 2012 habe ich mir einen Toyota HJ 60 mit Wohnkabine gekauft um damit in den Osten zu fahren. Ein dreiviertel Jahr Vorbereitung und ohne Ende Geld ist da reingeflossen.....

Am 15.06.2013 war es soweit. Räder nach Osten und dann immer gerade aus. Wir haben die Reise mit zwei Fahrzeugen und drei Leuten plus Dogge geplant. Jörg und Annelie mit einem MAN KAT 1 4x4, ich mit dem Toyota, mit 3,6 T gute 800 Kg überladen.
Zuerst ging es über die bestens Ausgebauten polnischen Autobahnen in die Ukraine, Richtung Kiew. Meist nach 7-8 Stunden Fahrt wurde ein Platz gesucht und gefunden. Natürlich steht man frei..... wie denn sonst ? ;-)
Gegessen wurde unterwegs an LKW Rasthäusern oder an Schaschlikbuden. Sehr schnell haben wir Reisegefährten gemerkt, dass wir mit völlig verschiedenen Vorstellungen und Reisegewohnheiten unterwegs sind..... aber alleine Reisen konnte ich mir auch nicht vorstellen.
So ging es dann bis Wolgograd (ehm. Stalingrad ). Dort haben wir 2 Tage Stadt und Museum gemacht, sehr bewegend das ganze. Ist seit der Schule mein Thema, alles rund um WW II und Stalingrad. Dann ging es nach Kasachstan..... unbeschreibliche Strassenzustände.... im Schritttempo um, oder durch die Löcher. Ein Stopp am Kaspischen Meer war das einzige Highlight. Mitten in der kasachischen Steppe haben wir uns dann friedlich und in Freundschaft getrennt. Am Abend bin ich mit einer Flasche Wodka zu meinen Begleitern und wir haben Abschied gefeiert.
Am nächsten Morgen war ich alleine..... und es war himmlisch. Ich wollte zurück.... zurück nach Russland. Bin dann über Elista (Kalmückien), Wolgograd, Saratov, Samara nach Perm. Dort versuchte ich über Waldwege den Ural Richtung Asien zu queren, das schlug fehl. Als das Navi sich anfing zu drehen ging es nicht mehr weiter..... mühsam bin ich zurück, kein Vergnügen. Aber etwas weiter Südlich ging es dann. Die ganze Zeit habe ich von Tag zu Tag mehr genossen, angehalten wo ich wollte, mit „Eingeborenen“ geredet, dabei natürlich viel gelernt. Gegessen wurde meist an der Strasse, Schaschlik gibt es überall. Dazu dann Tomaten und rohe Zwiebel.... da kann man prima von leben. Abends war ich meist zu faul mir etwas zu machen, aber einen Salat aus Tomaten / Zwiebel, dazu ein Liter Kwas..... köstlich.
Auch das Bier in Russland ist ganz OK, die kleine Flasche ist 1,5 L, dann 2,5 oder gar 5 L Buddeln. Wodka ist ziemlich teuer, unter 5 Eu / 0,5L geht fast nix.
Über Tjumen, Omsk bin ich dann nach Novosibirsk.... Sibirien ist ein einziger Sumpf. Im Juli / August ist die Regenzeit, alle Strassen ohne Teer sind Modder und Schlamm. Also alle Wege ausser der einen, einzigen Magistrale. Es geht eben nur eine Strasse nach Osten, alles, alles quält sich da lang. Strassenbau ist überall, aber man fährt teilweise hinter der Walze her, über den heissen Asphalt.... eben auch die dicken Kamaz mit ihren 40, 50 oder was weiss ich wie viel Tonnen. Kamaz: Vorne normale Achse, dann hinten 2 Zwillingsachsen. Anhänger auch vorne Zwilling, hinten Zwilling, teilweise hinten zwei Zwillinge..... keine Ahnung, aber da geht was rauf. Und raus..... der Himmel wird dunkel, sehr dunkel wenn so ein voller Kamaz den Hügel hoch kriecht. Oder die Ural...... 6x6 und Benzinmotor..... teilweise mit riesigen Gasbatterien hinter dem Führerhaus. 100 L Gas sollen die locker brauchen.....
Nun war ich also in Novosibirsk.... furchtbare Oststadt....Plattenbauten und Verfall. Bin dann gar nicht rein, sondern nur durch. Wohin nun? Einen Plan hatte ich schon lange nicht mehr. Bin so von Tag zu Tag gebummelt. Zeit hatte ich genug, das Visum ging über 3 Monate. Da ich ja nun mal da war, bin ich Richtung Barnaul, Richtung Mongolei. Visum hatte ich, also warum nicht. Vorher aber durch das westliche Altaigebirge..... das ist sowas von wunderschön, und frei...... Man kann machen was man will.....
Du brauchst Holz? Fälle einen Baum. Feuer machen? Überall, selbst neben der Strasse wird Schaschlik für ein schnelles Picknick gemacht. Überhaupt.... „der Russe“ macht überall ein Picknick.... und immer. Morgens, Mittags, Abends. An der Strasse halten oder in einen Feldweg, Kofferraum auf, Eingemachtes raus. Oft wird dann eben auch schnell mal gegrillt..... aber immer am Spiess. Ein Grillrost habe ich nie gesehen. Im Altai steht man am Fluss, in den Bergen, am See...... egal, es ist überall einfach nur schön. Die Berge in der Ferne waren über 4000 m hoch, im ewigen Schnee..... meine Route führte ganz langsam berauf, bis zur Grenze. Dort waren es dann schon 2500m..... und ganz schön kalt.
Leider hatte meine Truma E 1800 den Geist aufgegeben, das Steuergerät hatte es zerbröselt. Kurz vor der Grenze traf ich einen deutschen aus Braunschweig, der erste Deutsche..... er war bis Novosibirsk geflogen und dann mit dem Fahrrad weiter...... über das Altai..... Wir stehen noch so..... da kommt uns ein Motorrad entgegen, auch ein Deutscher aus Potsdam. Der kam aus der Mongolei und hat mir dringend abgeraten dort mit meiner Schaukel reinzufahren, es gibt keine Strassen dort, nur Schotter. Da ich ja nun mal dort war, bin ich über die Grenze und es hat sich bestätigt. Nur Schotter..... Wellblechpiste und tiefe Löcher. Mit meinen 3,6 Tonnen war das wirklich nicht machbar. So habe ich gut 30 Km nach der Grenze einen Schlafplatz gesucht.... die Gegend ist sehr karg.  Auf über 2500 m wächst nichts mehr.
Ich bereite mich auf die Nacht vor, da kommt Ulli auf dem Fahrrad an...... den hatte ich lange vor der Grenze überholt, nun war er mit dem Bike schneller als ich mit dem Toyota. Am Morgen bin ich dann zurück mach Russland.... zurück auf Teer..... !!
Da es nur die eine Strasse gibt, musste ich also bis Omsk wieder die gleiche Route nehmen. Über Cheljabinsk ging es wieder nach Samara, ich hatte auf dem Hinweg einen Deutschen kennen gelernt, und seine russischen Freunde. Die habe ich besucht. Unter anderen war dort Sergej, ein Bauunternehmer. Von Samara wieder Richtung Saratov, dann grob Richtung Rostow am Don. Kurz hinter Saratov überholt mich ein Land Rover...... Sergej mit seinem Sohn. Sie wollen auf die Krim, ich soll sie besuchen......
Habe eine Woche Zeit um hinzukommen..... hui, da muss ich Gas geben. Eine Strecke von 250 Km am Tag ist schon viel, bei den Strassen ist man da auch schon 6-7 Stunden unterwegs, reine Fahrzeit (Garmin GPS ). Die Grenze zwischen Russland und der Ukraine dort unten ist eine Fähre. Auf der Krim bin ich dann am Asowschen Meer vorbei gefahren, natürlich auch gebadet. Dann ging es nach Koktebjel.... eine Weingegend, dort wartete Sergej mit der Familie.
2 Tage habe ich mir das gegeben..... am Strand die schönsten Frauen..... die meisten Splitterfasernackt..... und der gute Krimwein..... dazu jede Menge Wodka...... Am dritten Morgen bin ich dann getürmt..... wenn man so lange alleine unterwegs ist und dann das lärmende Leben dort um sich hat..... geht gar nicht. Runde 150 Km wieder nach Osten hatte mir jemand aus dem Buschtaxiforum gepostet, dort gibt es einen recht einsamen Strand..... Dort bin ich hin..... am Abend kamen Delfine bis auf ca. 2 m an den Strand...... wunderbare Ruhe, goldener Strand, warmes Wasser (schwarzes Meer ) ….. aber auch Langeweile ;-) Nach zwei Tagen bin ich dort wieder weg..... Stillstand ist auch nicht gut....
Die Krim ist sehr bergig, der Toyota hatte so seine Probleme. Auch war es gerade Ferienzeit.... gefühlt alle Ukrainer und die Hälfte aller Russen macht dort Urlaub. Jeder Flecken Strand ist belegt, man Urlaubt in Autos, Zelten, unter Planen..... überall Menschen..... aber keine Sanitären Einrichtungen, keine Dixiklos.... nichts. Schön ist anders. Hab mich also dort nicht aufgehalten sondern ab Richtung Nordwest. So langsam machte sich Frust breit, das Wetter wurde schlechter..... und die Gegend gab auch nichts her. An meinem Auto klapperte es schon seit Tagen in der Beifahrertür..... Also hielt ich an der Strasse und begann sie auseinander zu nehmen.... es regnete..... Frust ! Mit mal sagt hinter mir jemand „Moin“...... mir fliegt die Türpappe aus der Hand..... Jonas und Ellen, ein Pärchen aus Osnabrück im Land Rover Defender mit Kabine. ( http://intothefar.de/ ) Aus der Begegnung wurden zwei gemeinsame Tage an einem See, mit viel Gerede, Schaschlik, Bier und Wodka (aber Wodka immer in zivilen Mengen... !! ) Baum gefällt, Feuer gemacht, an einer Quelle gab es frisches Wasser.... ein Laden (Magazin) im nächsten Dorf hatte frisches Fleisch.... das war selten. Freunde fürs Leben sind Ellen und Jonas ganz sicher geworden. Aber auch die schönste Zeit hat ein Ende, die beiden mussten nach Hause.
Über Ternopil bin ich dann langsam nach Uschgorod an die Grenze zur Slovakei. Durch die Tschechei bin ich dann in die Gegend von Fulda, dort fand gerade das nationale Buschtaxitreffen statt..... ca. 800 Toyotas und über 1200 Leute...... oh ha.... und ich kam aus der Einsamkeit. Aber es war super, sehr interessante Leute und Geschichten. Am 11.09, also genau nach 12 Wochen bin ich wieder Zuhause angekommen.
21531 Km, 90 Tage..... viele, viele Begegnungen mit ausschliesslich tollen, liebenswerten Menschen...... nicht eine Polizeikontrolle war kritisch, alle Grenzübergänge verliefen äusserst korrekt.
Nicht einmal wollte jemand geschmiert werden, keine Schikane, nirgends.
Einmal war ich in Sibirien, Nähe Kurgan, bei einer Familie in einem typischen russischen Holzhaus eingeladen.... inkl. Banja. Sie lebten mit 4 Erwachsenen und zwei Kindern in zwei kleinen Räumen plus kleiner Wohnküche..... in je einem der Zimmer stand eine Schlafcouch..... also müssen sich zwei Erwachsene und je ein Kind eine Couch geteilt haben..... Wasser war nur im Brunnen, das Plumpsklo über den Hof..... sie haben sich Essen und Getränke von Nachbarn geliehen um mich zu bewirten, ablehnen zwecklos.
Wenn mein Toyota mal einen Schaden hatte, dann war immer sofort Hilfe da. Leute haben ihre Familien angerufen und gesagt, sie müssen hier erst mal helfen. Werkstätten, also so ungefähr eine mittelgrosse Garage.... haben mir den Wagen repariert.... kostenlos. Von einem der in ihr Land kommt um sie kennenzulernen, um es zu erfahren, nehmen sie kein Geld. Gerne aber ein Geschenk aus Deutschland. Internet via Handy gab es fast überall. Bis auf zwei Tage im Altai, hatte ich immer Netz. Und billig.... 2 GB Internet im Monat für 250 RUB, das sind ca. 5 Eu. Fest steht..... ich fahre wieder hin.
Und ich habe ganz viel über mich gelernt. Ich habe es genossen mit mir alleine zu sein, bin mir selbst genug. Brauche keine Reisebegleitung. Einsam war ich nie. Dank Internet hatte ich Verbindung über WhatsApp mit meiner Familie. Mein Sohn in Neuseeland, Frau und Tochter zuhause, Freunde in Spanien, in Italien, auf Hawai …. sie alle hielten mit mir Kontakt. Für mich, und evtl. meine Kinder, habe ich einen Tagesbericht geschrieben, gute 100 Seiten auf dem Laptop. Über 5000 Bilder..... zig Stunden Video....

So, das soll es erst mal sein.

Die nächste Reise startet im Mai 2015..... Hamburg => Wladiwostok..... und zurück.

Do Swidania
Micha

 

 

In "meinem" Heimforum hatte ich 2013 auch einiges gepostet.

Hier der Link zum:

Zum Buschtaxi-Forum

Das hatte eine sehr schöne Dynamik und ist evtl. auch jetzt noch interessant

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