Auf Wiedersehen, mein geliebtes Russland

Verfasst am: 12.09.2015

До свидания, любовь моя Россия

Omsk verlasse ich mit mit der Gewissheit neue Freunde gefunden zu haben. Das ist auf Reisen so, man trifft sich, hat gemeinsame Interessen, oder ist sich einfach sympathisch. Durch die sozialen Medien wie Facebook oder WhatsApp bleibt man im Kontakt, ich geniesse das. Denn selbst wenn man sich eine Weile nicht sieht, es bleibt ein Band zwischen uns, wir wissen was der andere macht, was der denkt. So eben auch mit der Familie, ohne Internet, ohne ständigen Kontakt, hätte ich die Reise nicht machen können..... Viele Leute, die ich treffe, fragen mich: hast Du keine Familie? Keine Frau, Kinder ? …. Doch.... ich kann diese Reise, die Reisen, machen obwohl ich Familie habe und weil ich sie habe. Der Support, die Liebe meiner kleinen Familie ist extrem wichtig und ein Rückhalt. Aber es ist natürlich auch ein Magnet, der einen wieder zu dieser Zelle drängt.

So mache ich mich in recht langen Etappen auf den Rückweg. Teilweise fahre ich deutlich über meinem Limit, es kommen Tage da fahre ich 6, 8 ja sogar 10 Stunden. Die Kilometerleistung ist zwischen 300 und 450 km am Tag, daran sieht man wie mühsam Russische Strassen sein können. Ständig steht man an einer Baustelle, oder die Strasse ist so schlecht, dass mehr als 20... 30 km/h nicht möglich sind.



An einer Tankstelle blinkt die Anzeige DT, Diesel....27,50 rub für Euro 5 Diesel, das sind 36 ct/1 L …..blinken heisst: befristetes Sonderangebot. Ich krame Bargeld raus, lege der Dame 4000 rub auf den Tisch und knalle voll was geht, zuhause werde ich weinen an den Tanksäule. Der normale Preis für Eurodiesel liegt bei 32 – 35 rub.

In der Nähe von Kurgan stoppe ich wieder bei der Familie von Swetlana und Sascha, sie hatten von uns (den ganzen Förderern und Spendern) eine Solaranlage bekommen. Ich fahre aber zu dem Haus von Ira, der Mutter. Dort treffen wir uns alle, es wird gedrückt und geherzt.... natürlich darf auch die Banja nicht fehlen..... das werde ich definitiv vermissen.... Sauna finde ich ja schon gut, aber Banja ist besser.

Da ich dummerweise an einem Sonntag dort bin, haben wir nur den einen Abend zusammen, alle müssen Montag zur Arbeit, bis auf Swetlana die ist Mutter für ihre 2 Kinder und wieder Guter Hoffnung..... Sascha und sie sind so glücklich ein eigenes, sehr bescheidenes Zuhause zu haben, und so wächst die Familie.


Sehr zeitig fahre ich wieder durch das Dorf bis an die Hauptstrasse und dann westwärts.
Ein paar Plätze zum Übernachten kenne ich von der Hinreise, so auch diesen schwer erreichbaren Platz oben auf dem Plateau im Ural auf fast 600m Höhe, ein tolles Fleckchen Erde.
Eine Nacht, auf der Westseite vom Ural, fahre ich einen Feldweg rein, lasse ein paar von den überall rumwuselnden Pilzsammlern hinter mir und komme auf eine grosse Lichtung mit hohem Gras. Teilweise ragen noch Felsen aus dem Grund und hinter einem Hügel liegt ein Dorf..... der Sendemast für das High Speed Internet in Sichtweite..... so schöne Plätze, man müsste sie auskosten, in der Gegend umherstreifen..... aber alleine macht es mir keinen Spass. So bleibt es meist nur bei einer Nacht, ein paar Photos und den Erinnerungen.

Meine Vorräte neigen sich dem Ende zu und ich brauche ein paar Lebensmittel. Ein Dorf links ab, ich fahre die Hauptstrasse lang und stutze...., das kenne ich doch?



Dort an dem Brunnen habe ich auf der ersten Reise 2013 ein Video gedreht wie ich Wasser hole.... und da sage jemand, Russland ist gross. Natürlich stoppe ich und hole ein paar Eimer Wasser aus dem Brunnen..... schon in dem obligatorischem Zinkeimer sieht das Wasser leicht trübe aus..... vorsichtshalber giesse ich es in meine 5 Liter Wasserflaschen von denen ich 3 Stück habe, um flexibel Wasser zu holen und zu lagern. Und tatsächlich ist am Abend der Boden dieser Flaschen gelblich....Sand. Nun fällt es mir wieder ein, ich hatte ab einem bestimmten Zeitpunkt extreme Schwierigkeiten mit meinem Wasserfilter auf der Reise 2013, immer wieder setzte er sich zu, alle paar Tage musste ich ihn säubern. Und irgendwann entdeckte ich in einem der 20 L Bundeswehr Kanister Sand auf dem Boden.... das kann nur von diesem Brunnenwasser gekommen sein. Also wird das kostbare Nass nur zum Duschen und Abwaschen verwendet.....
Eines Abends, ich bin wieder viel zu lange gefahren, halte ich an einem Kornfeld, etwas abseits der Strasse, eine kleiner Feldweg führt mich hin. Er ist sehr gut zu befahren, alles prima.
Nachts wache ich auf weil der Regen auf mein Dach prasselt..... oh ich liebe das Geräusch, kann sofort wieder einschlafen und selbst wenn ich noch einmal wach werde..... das stetige Klopfen der Tropfen ist beruhigend. Bis.... ja, bis ich am nächsten Morgen los möchte.... der gute Weg ist nur noch Schlamm, beim verriegeln der Freilaufnaben an der Vorderachse rutsche ich aus und wäre um ein Haar in den Modder gefallen.... das kann ja heiter werden. Ganz vorsichtig drehe ich, der Wagen rutscht, macht was er will. Doch ganz langsam, im ersten Gang der Untersetzung bekommen die Räder gripp und ich bewege ich Richtung Strasse.....

Genau in einer solchen Situation bin ich 2013 hilflos stecken geblieben, der Wagen hatte ich 90° gedreht und stand. Ich habe viele Umbauten in der Zwischenzeit gemacht. Da ist eine bessere Hinterachse mit einem automatischem Sperrdifferenzial drin, bessere Reifen mit mehr Traglast und vor allem Gripp, die Federn hinten, die bessere Lastverteilung. Und so kann ich aus eigener Kraft diesem Morast entfliehen und meine Reise auf der Strasse fortsetzen.

Etwas später mein dann ein Lada die Strasse gehöre ihm, ich habe das in das Video mal reingeschnitten
Viel gibt es sonst nicht mehr zu sehen.... aber noch zu treffen. In Samara bin ich wieder bei Michael und Lena eingeladen, auch Sohn Mischa und Freund Sergej freuen sich schon. Michael ist wieder einigermassen gut zu Fuss, das freut mich natürlich.... zum nächtlichen Grillen auf dem Hof langt es aber noch nicht, er bleibt im Haus. Wie es bei Russen nun so ist, Abends gegen 2100 h wird das Feuer im Grill angeschmissen und die Spiesse vorbereitet..... ich spendiere den Wodka, und Sergej frisches Bier von der Fabrik in Samara..... das Essen war prima.... über das Trinken breiten wir den Mantel des Schweigens..... nur soviel: ICH konnte alleine ins Bett......
Um der sehr schlechten Strasse nach Uljanowsk, dem Geburtsort des Genossen Lenin, zu entgehen, nehme ich am nächsten Tag erst eine Strasse nach Westen, dann in nordwestlicher Richtung. Ziel ist in einigen Tagen Suzdal mit dem tollen Campingplatz. Ich komme an vielen kleinen Dörfern vorbei, die Menschen dort sehen mich an wie ein UFO..... abseits der Magistralen sieht man sonst keine Touristen..... schön bemalte Häuser säumen die Strasse.



In den kleinen Dörfern steht ab und an eine rote Muschel mit etwas sehr merkwürdigem drin.... irgendwie ein Kasten mit einem Ding an einer Schnur oder Kabel..... vor vielen, vielen Jahren, so dämmert es mir, haben wir in Deutschland auch solche Kästen gehabt...... seht selbst:

In Suzdal mache ich Pause für einen Tag, nutze die Waschmaschine und die Küche dort. Der riesige GLOBUS Supermarkt in Vladimir wurde natürlich auch angelaufen..... es ist wirklich ein Hammer was es dort alles gibt, leider ist Photographien verboten.....

Richtung dritter goldener Ring um Moskau fahre ich, die Ringe werden Golden genannt, weil sehr viele gold Verzierte Kirchen dort stehen, mich interessiert es nicht, ich habe nur keine Lust auf Moskau und fahre daher einen Umweg.....

Plötzlich fällt mir etwas auf.... die Farben.... es ist Herbst geworden, de Bäume stehen in gelb und rot.... als ich im Mai ankam in Russland, waren viele Bäume noch kahl, keine Blätter zu sehen..... und jetzt fallen sie schon wieder runter.... lange unterwegs gewesen.... zu lange?

Ohne grosse Auffälligkeiten oder Ereignisse fahre ich die wunderbar ausgebaute M9 Richtung Riga, 140 km vor der Grenze stoppe ich auf einer Stojanka, der russischen LKW Raststätte..... man merkt die nahe Grenze, viele Litauische und Lettische LKW unterwegs. Am Abend hält eine GAZelle (Sprintergrösste) neben mir, der Fahrer geht sich waschen und..... legt sich ins Fahrerhaus. Kein Bett, kein Schlafsack, quer über die Sitze, zugedeckt mit seiner Jacke liegt er dort noch bis zum Morgen und schläft..... Russisch oder Armut? Wohl beides.

Die Grenze macht mir Magengrummeln..... nicht die Russen, denen ist meine Ausreise scheinbar völlig egal, in 15 min habe ich diesen Grenzposten hinter mir, ein kurzer Blick in meine Kabine, das wars auch schon.

До свидания, любовь моя Россия , Auf Wiedersehen mein geliebtes Russland.
Ich komme wieder, mein Mütterchen Russland, hoffentlich dann mit meiner geliebten Frau. In meinem Herzen wirst Du immer sein, das weite Land, diese wunderbaren Menschen, die Gastfreundschaft, der magische Baikal. Und Dich, Du grosse Stadt im Osten, Wladiwostok.... Dich möchte ich immer noch gerne kennen lernen. Bleib wie Du bist Mütterchen, ich liebe Dich.

Die Lettische und damit die EU Aussengrenze macht mir Sorgen. 5 L Wodka sind 4 L zuviel, Bier darf ich 16 L mitnehmen, da bin ich weit drunter...... aber bloss nicht ausräumen müssen.
Die Probleme die ich bekomme sind aber auf ganz anderen Gebieten.... weil ich zu dusselig bin, fülle ich die Zollerklärung aus..... und schaue dann erst in Internet nach den Bestimmungen. Ich gebe an: Diesel im Tank 100 L und im Kanister 20 L ….. der Tank muss Serie sein, Eigenbauten die grösser sind dürfen nicht weiter als die Serie gefüllt sein.... meiner ist Voll und fasst 140 L !
Diesel in Kanistern darf eingeführt werden...10 L in EINEM Kanister, so das Internet. Wie doof.... und ich gebe 20 L an. Pech, zahle ich eben Zoll, viel kann es nicht sein.
All das finden auch die Grenzer nicht schlimm, schütteln nur den Kopf über meine Blödheit.... einer kommt mir dem Blatt in der Hand zu mir und fragt: ist der Kanister wirklich voll, oder sind zu 10 L drin..... der Blödmannsgehilfe Micha sagt wahrheitsgemäss: nee, ist voll.... ! Leichtes Kopfschütteln.
Alles kein Problem..... und dann kommt die Kontrolle des Innenraums. Hier öffnen, dort öffen.... alles gut, bitte Kühlbox öffnen..... oh, sagt der Kollegen Zöllner.... Fleisch? Wurst?, Milchprodukte, Käse? ….. äh, ja.... alles raus, ist verboten. WAAAASSS ????? Kommt von Russland und ist verboten..... grrrrrr, und ich hatte in Vladimir noch mal so richtig voll geladen...... der Hammer aber kommt dann: Diese Dosen da mit Rindfleisch....auch raus ! Hääää? Das sind Dosen aus Deutschland, Rindfleisch in eigenem Saft. Nö.... waren in Russland, müssen raus. Ich erkläre ihm, das die Dosen geschlossen sind und aus Deutschland.... er unterbricht mich: wollen Sie mit mir Argumentieren? …..scheisse, nein, der Typ sitz am längeren Hebel und macht auch nur seinen Job. Ich nehme eine Plastiktüte und fülle sie voll mit meinen Köstlichkeiten..... gerade die Dosen habe ich mir vom Munde abgespart..... big shit
Dann zum Zoll, die Strafe für Blödheit bezahlen, der Kassierer scheut mich sehr mitleidig an, schüttelt den Kopf und braucht eine halbe Stunde um mir 5,09 Eu abzunehmen. Mit einem akzentfreien „Auf Wiedersehen“ verabschiedet er sich und lacht.... die ganze Zeit haben wir nur Russisch gesprochen.... Hundesohn !!
Trotz der ganzen Sachen haben ich insgesamt nur 1,5 Std an beiden Grenzen gebraucht, das ist voll in Ordnung.
In Lettland laufe ich den ersten grossen Supermarkt an und fülle auf was der Zoll mir entwendet hat, es gibt wieder alles zu kaufen, Europa hat mich wieder..... leider auch zu europäischen Preisen. Über die Katastrophale A13, Baustelle an Baustelle mit Ampeln, fahr ich durch Lettland nach Litauen.... alles noch an dem selben Tag.... die Apfelinsel mit dem erstklassigen Campingplatz ist mein Ziel, wir waren auf dein Hinweg mit Jutta und Wolfgang dort.. Spät gegen 1900 h erreicht ich mein Ziel, der Platz ist offen, ich der einzige Gast und das Restaurant hat auch Dienst. Hinstellen, Waschen und ab zum Futtern..... bei Schweinefilet (doppelte Portion), Pommes und Salat, dazu 2 Pils vom Fass, bin ich versöhnt mit dem Tag und seinen Problemen..... so einfach kann das manchmal sein.

Ich bleibe hier ein oder zwei Tage, es sind noch 1500km bis Zuhause und ich brauche nach den Gewaltmärschen der letzen Tage etwas Ruhe.



Wie ich weiterfahre weiss ich noch nicht, mal schauen was die Karte so sagt......
 

Bis dann..... bleibt gespannt !!

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