Ein Traum ist......aus

Verfasst am: 05.07.2015

Ein Traum ist geplatzt.... nicht der Traum der Reise, aber ein grosser Teil davon...... mehr später, ich berichte erst mal wie es weiter gegangen ist.

Die Insel mit den Nerpas blieb uns leider verwehrt..... es wären 50 Eu pro Person, plus ein Boot chartern gewesen, das ist in unseren Budgets nicht drin.... leider, leider.
Aber auf die Heilige Nase konnten wir nach zwei Tagen warten.

Bis zum Schlagbaum waren wir ja schon mal...... dorthin geht eine gut zu befahrene Sandpiste, ca. 5km nördlich von Ust-Bagusin. Doch hinter dem Kassenhäuschen (100 rub/ Tag und Person) kommt Waschbrett.... ca. 25km lang. Als die Piste nach 10km wieder an das Ufer des Baikal kommt, bremse ich und berede das weitere vorgehen.... mir ist das zu viel, dafür ist mein Auto nicht gemacht, schon der Weg nach Ust-Bagusin hatte viele km Waschbrett, ich will mir das Fahrzeug nicht kaputt fahren. Kein Problem, so wie alles was Zahra, Matthis und ich besprechen, findet sich auch hier schnell eine Lösung. Durch Buschwerk fahren wir zum Strand, eine geschützte Sandfläche hinter einem kleinen Wall wird das Zuhause für ein paar Tage....zumindest für mich.


 

Zwei Tage bleiben wir zusammen hier, kein Mensch rings rum. Baden, spazieren gehen, faulenzen, Essen vorbereiten...... Feuer machen ist leider, leider nicht erlaubt im streng geschützten Nationalpark „Heilige Nase“. Ich bekomme von Zahra auch noch einen Haarschnitt verpasst, alles gut, beide Ohren noch dran ;-)

Meine Freunde verabschieden sich, sie wollen eine Wanderung zu den Bären der Halbinsel machen. Davon soll es einige geben, man sagt es leben mehr Bären als Menschen permanent auf der „Nase“. Gesehen haben sie leider nur Bärenkot.... ;-(
Die „Swjatoi Nos“ ist 53 km lang und 20 km breit, fast vollständig bewaldet. Zur Bagusinbucht hin sind herrliche Sandstrände, da stehen wir auch. Ich bleibe anderthalb Tage alleine, geniesse die Einsamkeit, Spaziergänge am oder im Wasser. Das hat hier gut 10°C in der Bucht.



Morgens vor dem Frühstück ein Bad im Baikal.....das belebt. Doch auch diese Zeit geht vorbei.... wir müssen / wollen weiter. Für meine belgischen Freunde geht der Weg in die Mongolei, für mich NachOsten Richtung Wladiwostok. Zwei mal machen wir noch einen Nachtstop am Baikal, wilde Pferde besuchen uns eines Abends.

Zwei Motorradfahrer aus dem Amur Gebiet, weit im Osten kommen kurz vorbei. Von denen erfahre ich, dass die Strecke bis Tschita einigermassen befahrbar ist, ab dort beginnt dann schlechter Asphalt mit vielen Löchern. Was die beiden unter „befahrbar“ mit ihren geländetauglichen Motorrädern meinen, werde ich dann noch erfahren..... Ein Pärchen aus Israel stösst kurz zu uns, sie trampen ein Jahr durch Russland und sind fasziniert von unserer luxuriösen Art zu Reisen. Das Gebiet in dem wir unsere letzte Nacht gemeinsam verbringen, ist sehr besucht, eine gute Strasse führt in das nur 160 km entfernte Ulan-Ude. So ist es nicht verwunderlich, dass immer mal wieder Leute auftauchen.
In Ulan-Ude, südöstlich vom Baikal, trennen sich unsere Wege..... es war eine tolle Zeit mit den beiden. Es gab kein „mein“ und „dein“ , es gab nur „unser“, ein Kompromiss wurde, wenn dann nötig, immer schnell gefunden. Danke Euch.
Ab Ulan-Ude beginnt der Anfang vom Ende meines Traums.
Schon in der Stadt ist der Asphalt sehr brüchig, die City selber aber recht interessant, es hat viele fernöstlich anmutende Gebäude, Pagodendächer an den Bushaltestellen zum Beispiel. Buddhistische Tempel, es ist die Hauptstadt von Burjatien und die Burjaten sind zum grössten Teil buddhistisch.



Schnell lasse ich die Stadt hinter mir, dann beginnt eine Strecke mit quer gebrochenem Asphalt. Teilweise wurden die Brüche mit flüssigem Teer ausgebessert, das ändert aber nichts an den Fugen. Mein Auto springt wie ein Ziegenbock, ich lasse Luft aus den Reifen, alles was geht. Ein wenig Verbesserung. Der Toyota schwankt hin und her, ich versuche verschiedene Geschwindigkeiten.... egal was ich mache, es bleibt schlimm. Mir hat mal ein Kollege, mit dem ich 2013 ein paar Tage unterwegs war, vorgeworfen, ich soll mich nicht so anstellen, bin wohl nur Deutsche Autobahnen gewohnt..... nun, mag sein. Wenn aber trotz eines hervorragenden Fahrwerks alles scheppert, klappert..... dann sogar die Schränke hinten aufgehen, mein Geschirr, Besteck, und das Olivenoel auf den Boden fallen.... dann hat das nichts mit anstellen zu tun, dann ist einfach mal Schluss für mein Auto auf diesen Pisten. Doch ich will nicht, mag nicht aufgeben. Bis zur Erschöpfung fahre ich, es dämmert schon. Ein Kafe am Wegrand. Wieder mal hatte ich nichts gegessen ausser Frühstück. Dort darf ich stehen, bekomme burjatische …. ja was? Es ist ein Nudelteig mit Hackfleisch und Zwiebel drin, geformt als wenn man ein Tuch an allen Ecken zusammen nimmt und verdreht, ich denke so ähnlich wird das auch gemacht. Diese Teile sind dann gekocht und schmecken richtig lecker. Morgens zum Frühstück gibt es zwei Spiegeleier.... und einen elendigen Kaffee..... heisses Wasser mit viel Milch und noch mehr Zucker, für das Kaffeepulver war dann wohl kein Platz mehr in der Tasse..... dafür zahle ich für beide Mahlzeiten zusammen auch nur 150 rub, ca. 2,50 Eu.
Ich muss es probieren, ich möchte es schaffen.... vielleicht kann Tschita erreicht werden. Die Strasse wird plötzlich besser, ach was.... sie ist nagelneu. Was nicht dahingleiten heisst, die Wellen bleiben, Stossdämpfer leisten Höchstarbeit, aber die Fugen sind weg. Eine solche Strasse würde in Europa niemand bauen, geschweige denn abnehmen, für hier ist es eine Erholung. Doch sie dauert nur wenige Kilometer, dann kommt wieder die alte Piste.


An einer Strassenbaustelle stehen ca. 8 Männer mit schweren Presslufthämmern, sie hauen rechteckige Löcher in den Bruchasphalt. Die werden von anderen dann mit Schaufeln und Handstampfern wieder verschlossen..... A: wer entscheidet welche der unzähligen Brüche „repariert“ werden? B: wie lange kann ein von Hand gestampftes Loch halten, zumal wir 37°C haben und der Asphalt teilweise schmierig geworden ist? Fragen die keiner beantworten kann....
Die Transsib, eine Eisenbahnstrecke in den fernen Osten, läuft an der Strasse lang. 4 Lokomotiven, dahinter dann bis zu 200 Wagons... klein geht nicht in Russland.



Viele, viele Züge fahren von Ost nach West und umgekehrt, schätze so 10 in der Stunde. Die allermeisten Güterzüge, Personenzüge sehr selten. Ich kann das ganz gut beobachten, denn meine Geschwindigkeit ist nur ca. 25 km/h..... noch fast 3000 km bis Wladiwostok. Auch dieser Tag endet mit Erschöpfung, weil der Magen gar nicht will, alles krampft wie bei Seekrankheit, esse ich auch heute nichts. Fahre von der Strasse auf einen kleinen Hügel, hoffe auf etwas Wind. Da fallen erste Tropfen.... Regen würde jetzt helfen, diese stickige Luft reinigen und abkühlen...... es bleibt bei ein paar Tropfen.
Ich verschiebe die Entscheidung auf den nächsten Morgen.
Als der kommt, habe ich eine unruhige Nacht hinter mir, der Kopf war voll, kam nicht zur Ruhe. Als ich mir meine Frühstückseier machen möchte, sehe ich dass in der Tupperware Schale die Eier kaputt geschlagen sind..... was für ein Mist, wie soll das denn weiter gehen? Was soll noch alles kaputt gerüttelt werden, und für was? Als ich gestern Abend einen Sichtcheck um das Auto mache, fällt mir ein ca. 50cm langes Stück Karosseriekleber auf, der kommt vom Unterboden, abgerüttelt, ich reisse ihn ab, werde versuchen das irgendwann neu zu kleben.
Aleksander aus dem Amur Gebiet meinte ja, dies ist noch eine gut befahrbare Strasse..... in ca. 150 km kommt Tschita, da beginnt dann für ca. 2000 km eine schlechte Strecke. Mein neues Knie schmerzt, das Teil im Oberschenkel knallt bei Rüttelpiste auf das Unterteil im Wadenbein. Seit vielen, vielen km fahre ich nur mit einem dicken Kissen unter dem Knie, das wiederum drückt die Lymphe ab, das Bein schwillt an.....
Nach hin und her beschliesse ich aufzugeben.
Aus, vorbei, Schluss. Zu gerne hätte ich Wladiwostok (deutsch: Beherrsche den Osten) gesehen, hätte die Grenzstrasse zu China mir angesehen, dort wo Russland mehr chinesisch als russisch ist.... wollte den Lotusblüten See in Rujchino besuchen, an der Grenze zu Nord-Korea wollte ich stehen..... nix ist.
Einmal den Entschluss gefasst, überlege ich wohin. Am 05.08 muss ich aus Russland raus, was ich vorher mache ist egal, an dem Tage muss ich ausreisen, selbst wenn ich vorher in der Mongolei war. Dann endet der Erste Teil meines Jahresvisums. In die Mongolei kann ich 30 Tage visafrei einreisen, es ist also noch zu früh. Dann also Baikal? Ein Blick auf das Wetter dort...... sanfte 20°C, hier, im Osten, werden gerade die 35°C überschritten und es ist erst 10:00 Uhr.

Ich fahre an den See....... als wenn der Henker hinter mir her ist. Alles was geht, einige Bergab Passagen lassen sich mit 90 Km/h nehmen, die Berge hoch geht es im 2. Gang mit 30 Km/h. Es gibt keine Rücksicht mehr, der Wagen hüpft, schlingert, knallt in die Fugen, Löcher. Mein Magen wird eine schmerzende Masse, ich kann weder trinken noch Essen. Der Wahnsinn sagt „weiter, weiter“, der Verstand sagt nichts mehr, er ist abgeschaltet. Nur zum Tanken halte ich an...... in den drei Tagen hat der Toyota über 230 L Diesel durch gesaugt, fast 16L / 100 km. Bergauf, Bergab, Dörfer werden kaum wahrgenommen, Abends gegen 20 Uhr bin ich wieder in Ulan-Ude. Noch 160 bis zum Baikal, 2,5 Stunden..... die Strasse wird wieder besser, die kenne ich ja schon.



Um 22:31 Uhr parke ich auf einem grossen Parkplatz direkt am Ufer, es hat noch 16°C und mir kommen die Tränen. Einen anderen Platz jetzt noch zu finden hat keinen Sinn, zumal es Wochenende ist und der See bevölkert mit Campenden aus Ulan-Ude. Die ca. 10 km die ich am Ufer lang fahre, bestätigen das, überall wo der See erreicht werden kann, leuchten die Feuer der Campierer. Grosse Zelte stehen neben den Autos. Dort wo ich noch vor drei Tagen alleine mit Zahra und Matthis gestanden habe, fahre ich den Weg rein..... unfassbar. 70-80 Autos und Feuer, der gesamte Platz ist voll mit Leuten. Wie gesagt, es ist Wochenende und warm, ja heiss in der Stadt.
Mit einem schönen Glas Bier sitze ich draussen auf den Stufen meine kleinen Treppe und bin zufrieden. Der Tag, die Fahrt, die Entscheidung.....das alles klingt lange in meinem Kopf nach, sehr spät erst gehe ich rein und lege mich in den Alkoven, es dauert eine Weile bis die Augen zufallen.
Wie es weiter geht? Keine Ahnung. Ich werde heute und morgen hier oder hier in der Nähe bleiben. Zur Ruhe kommen, dann mit der Familie schreiben und entscheiden..... es gibt da schon so eine Idee was ich machen könnte..... aber das wird erst verraten wenn es Spruchreif ist.

 

Bis dahin..... bleibt gespannt

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