Ende der Reise NachOsten 2015

Verfasst am: 22.09.2015

Die Apfelinsel verlasse ich mit dem Gefühl etwas aufgetankt zu haben. Es ist wieder Ruhe in mir. Der Abschied von Russland hat mich emotional doch sehr aufgewühlt und ich hatte in den ersten Tagen einige Male mit den Tränen zu kämpfen.
Die Grenze nach Polen ist schnell überquert, der Tank in Litauen noch einmal nachgefüllt, aber preislich nimmt sich das nichts, nur in Litauen kauft man in Euro und die Wechselgebühr fällt weg. Nach ein paar Tagen erreiche ich Elblag (Elbing), dort soll es einen schönen Campingplatz nahe der Altstadt geben..... die Schilder sehe ich wohl, nur den Platz finde ich nicht und so kurve ich durch die Stadt, um dann festzustellen, es lohnt nicht hier zu bleiben. Die Stadt ist eine Stadt und Städte mag ich nicht. Also weiter Richtung Danzig. Vorher fahre ich aber noch zum Frischen Haff, das liegt zwar nicht auf meinem Weg, aber mich treibt ja keiner. Leider ist auch das Haff eine Enttäuschung. Die Strasse führt nur durch Wälder, vom Wasser ist kaum etwas zu sehen.



Die wenigen Parkplätze zu den Stränden sind belegt durch deutsche Wohnmobile..... nicht meine Welt. Überhaupt meide ich die Menschen seit ich in Europa bin, mag nicht reden, möchte alleine sein....aber das gelingt kaum, denn alles ist besiedelt, alles gehört jemanden, überall sind Schranken und Schlagbäume. Ach....Russland, was bietest Du für eine Freiheit.... kein Schlagbaum versperrt den Waldweg, keinem gehört das Feld auf dem ich stehe, keiner kommt und meckert. Seit Lettland habe ich das Gefühl des eingesperrt zu sein, das der Unfreiheit. Trotzdem lasse ich mir Zeit mit dem Fahren, mit der Heimkehr. Zu stark sind noch die Emotionen, ich wäre ein schlechter Gesprächspartner und wahrscheinlich auch ein unaufmerksamer Ehemann und Vater. Immer wieder gehen meine Gedanken nach Russland, zu den vielen, vielen Menschen, den besonderen Orten..... und natürlich an den Baikal. Kein Ort den ich auf meinen vielen, vielen Reisen erlebt habe, hat mich so nachhaltig beeindruckt, ja, gefesselt, wie der Baikal See.....das Heilige Meer. Trost ist mir, dass ich wieder kommen werde, es mögen ein paar Jahre vergehen bis dahin, aber ich weiss genau, dieser Ort sieht mich wieder. Gute Freunde bleiben Freunde, auch wenn man sich längere Zeit nicht sieht und Freund Baikal ist ein guter Freund. Wie gerne würde ich ihn im Winter erleben, wenn eine 1 m dicke Eisschicht ihn bedeckt, Eis so klar, das man die Fische da drunter sehen kann. Aber auch das werde ich erleben....eines Tages.
Auf dem Frischen Haff kann ich also nicht bleiben und nehme Kurs Richtung Danzig. Ein Wohnmobil Stellplatz am Stadtrand kommt gerade recht, ich bin Müde, hungrig und brauche dringend eine Dusche. Der Platz ist genial.... Nicht weil er ruhig ist, 10m neben der Hauptstrasse, die Duschen sind noch aus der Sozialistischen Zeit Polens, der Stellplatz nicht eben.....ABER: Es gibt einen günstigen Pizza Service der auch für eine (!) Pizza auf den Platz kommt. Und die Pizza ist richtig lecker.....die erste seit 5 Monaten muss ja schmecken, oder?



Nach ein paar Stationen erreicht ich Deutschland über Swinemünde auf Usedom. Ein Wohnmobilplatz hat doch tatsächlich noch ein Fleckchen frei und für schlanke 16 Euro !! darf ich mich hinstellen.....Duschen extra. Die einzige Pizzeria am Ort liefert nicht, ist aber auch nur 1 km entfernt und so mache ich mich auf die Socken.... 19 Euro für eine Calzone und ein Bier.....
Ich gebe hier an einem Abend mehr aus als in einer Woche Russland. Wenigstens weiss ich nun mit aller Bestimmtheit, dass ich in Deutschland bin.
Eine Nacht stehe ich noch auf einem CP an der Müritz, dort entschädigt mich der Sonnenuntergang und ein vollkommener Regenbogen.



Trotzdem kein Ort an dem ich bleiben möchte.... die Wohnwagen der Dauercamper stehen so dicht aneinander, wenn einer im Wagen niesen muss, fällt der Nachbar aus dem Bett... furchtbar. Das verstehen die Leute also unter Urlaub? Unter Freizeit? Das Wort Freizeit suggeriert Freiheit..... und nicht wohnen im Hühnerkäfig.
Schwerin und ein Besuch bei einer ganz lieben Freundin sind meine letzte Station bevor ich am Samstag zu Hause eintreffe. Die erste die mich willkommen heisst ist meine liebe Postbotin, sie ist gerade im Nachbarort und ich halte kurz an. Dann rolle ich auf den Hof....parke den Toyota dort wo er immer steht......



Hat sich etwas geändert in der Zeit? War ich wirklich 5 Monate fort? Ja, es hat sich eine Menge geändert..... nicht die Kirschlorbeer Hecke die jetzt viel höher ist, nichts äusserliches.... ich habe mich verändert und das wohl mehr als ich selber zuerst denke. In den nächsten Tagen merke ich es deutlich.....was früher wichtig schien, worauf ich Wert gelegt habe.....ist jetzt nebensächlich.
Auch und gerade mein Verhältnis zu Menschen ist anders geworden.... wie das im einzelnen ist muss ich noch herausfinden, aber ich lasse mir Zeit.

Das Fazit
Gibt es ein Fazit? Ich weiss nicht..... es war eine sehr lange Reise, genau 150 Tage war ich unterwegs, bin dabei 25.008 km gefahren und habe 5000 Euro ausgegeben, mein gesamtes Kapital. Nun ist alles weg..... Ich habe Menschen getroffen die mich beeindruckt haben, Freunde geworden sind. Alte Freundschaften aus der ersten Reise 2013 sind vertieft und erneuert worden. Landschaften habe ich im wahrsten Sinne erfahren, schöne und einsame, trockene und sumpfige. Speisen gegessen von denen ich nicht einmal wusste, dass es sie gab. Und natürlich den Baikal See besucht, in ihm gebadet, von ihm getrunken.....von ihm betrunken. Die fürchterlichen Waldbrände musste ich erleben, den Fatalismus der Russen wieder erlebt. Bestätigt bekommen, dass die Mongolei nicht mein Reiseland ist, auch wenn die Landschaft schön und der Himmel dort höher ist..... die Menschen sind nicht mein Fall.
Ich habe in den 5 Monaten viel russisch lernen können, kann mich verständigen auch ohne Dolmetscher oder Google Übersetzer... eine wunderbare Sprache, die ich sehr gerne weiter lernen möchte. Leider gibt es an der hiesigen VHS nur einen Anfänger Kurs....
Würde ich diese Reise so wie sie war noch einmal machen?
Ja....aber nicht alleine. Die Tage an denen ich Reisegefährten hatte, waren wunderschön...klar macht man in einer Gruppe immer Kompromisse, aber ich bin dazu gerne bereit. Das allein sein ist mir immer schwerer gefallen mit der Zeit, keinen zu haben mit dem man Gefühle, Gedanken und Situationen teilen kann. Schon nach ein paar Wochen hatte ich beschlossen die nächste Reise mit meiner Frau machen zu wollen.....wenn sie denn will.....
Ich kann mir auch eine Reiseleitung für eine kleine Gruppe vorstellen, Leute die Russland erleben, erfahren möchten. Mal sehen was die Zukunft bringt.

Das Auto
Der Toyota hat sich voll, aber absolut vollkommen bewährt. Kein Defekt auf den 25.000 km !
Was ich verbraucht habe weiss ich nicht, Diesel meistens..... ;-), ich habe einmal gerechnet, da lag er in den Bergen des Ural bei 14,5 L/100km. Denke auf Strecke ist er deutlich drunter. Es war mir aber völlig egal, wenn das Geld weg ist, ist auch die Reise zuende, warum soll ich mir einen Kopf machen wieviel der Toyota schluckt? Zumal Diesel durch den Wechselkurs auf 36-40 ct pro Liter gefallen war..... Einen (1) Liter Motoroel musste ich kurz vor Ende nachfüllen, den Mathy Additiven sei Dank. Die BFG AT Reifen sind um vieles besser gewesen als die General Grabber 2013. Die Dimension 265/75/16 ist ein guter Kompromiss aus Höhe, Breite und Fahrbarkeit. Die neuen Federn hinten von Federn-Hennig sind grosse klasse, der Wagen wog ca. 3,6T und wenn dann bei den russischen Strassen eine grosse Welle im Asphalt kommt, die Hinterachse kurz in die Luft geht und das volle Gewicht in die Federn haut..... und der Wagen absolut unbeeindruckt bleibt, haben wir alles richtig gemacht. Die FF Hinterachse mit dem Limited Slip ist prima, die neuen Bremsen inkl. der Stahlflex Schläuche brachten die Fuhre so zum stehen wie ich es wollte, mehr als einmal habe ich mit quietschenden Rädern eine Vollbremsung machen müssen. TOP


Ich
Eine Nachbarin fragt mich heute ob ich den so alleine keine Angst gehabt habe.... NEIN. Nie.
Ich habe mich nie bewusst einer Gefahr ausgesetzt, aber auch nicht versucht mich unter allen Umständen zu verstecken. Bis auf die eine Situation am Anfang mit den zwei betrunkenen Männern, habe ich keine unangenehme Begegnung mehr gehabt, zu keiner Zeit mich unsicher gefühlt. Ob Russland, Burjatien oder Mongolei....egal. Ausser den Campingplätzen in Moskau und Suzdal, habe ich immer frei gestanden, manchmal hinter ein paar Bäumen, manchmal einfach an einem Feld. Nie gab es Protest, nie hat mir Jemand gesagt, das darfst Du nicht.
Es gabt keine gesundheitlichen Probleme, kein Magenproblem, kein Dünnpfiff, nicht mal einen Sonnenbrand habe ich bekommen. Wasser wurde mit MultiSil Chlor behandelt, zusätzlich habe ich in der Küche einen Keramikfilter. Getrunken meistens Mineralwasser. Zwei Mal Schaschlik an der Strasse gekauft, ansonsten selber gebrutzelt und gekocht. Obst und Gemüse bei den Leutchen am Wegesrand gekauft, den Rest in den Magazinen und Märkten. Bier und Wodka natürlich auch....aber nicht in Mengen …. tschut tschut wie die Russen sagen.
Das wars..... eine sehr eindrückliche Reise ist zu Ende, die Berichte auch.
Wer Fragen an mich hat, immer her damit....am besten per Mail: reise (ät) nachosten.de

Der Dank
Danke für Euer lesen, Eure Mails, Euer Mut machen unterwegs.
Danke an meine Familie für die Geduld mit mir, auch jetzt noch, nach der Reise.
Danke für die Nachbarn, die geholfen haben als ich nicht zur Stelle war.
Und danke an all die lieben Menschen die ich kennen lernen durfte, Menschen die Freunde geworden sind..... nicht nur Russen, auch die anderen Reisenden.
Ich habe lange überlegt ob ich eine Liste mit Namen mache....aber ich würde garantiert jemanden vergessen... also nicht. Aber jeder der mir begegnet ist, jeder der mit mir gesprochen hat, jeder mit dem ich etwas Zeit verbringen durfte, hat etwas hinterlassen in mir. DANKE

Beratung, Konzeption, Programmierung, Design

Diese Seite wurde mit dem tworabbits CMS umgesetzt: tworabbits.de