Mongolei, Land ohne Wasser

Verfasst am: 11.08.2015

In Ulan-Ude ist es unerträglich heiß, ich bringe Reiner zur Autowerkstatt  „Jupiter“ 
(http://sto-upiter.ru), die ist direkt vor der ersten Brücke über die Selenga, die mit den Tigern, vor der Brücke rechts ab und den Berg runter.... Festgestellt werden einige Schäden, Radlager, Spurstangen beide Seiten ausgeschlagen....usw. Ein Peugeot Boxer ist kein Land Cruiser......
Reiner ist in guten Händen und ich fahre weiter Richtung Mongolia...... Bis gut 80km vor der Grenze komme ich, dann bin ich einfach zu müde, fahre einen kleinen Weg rein, den Berg hoch und stehe zwischen alten Kiefern. Es muss dort fürchterlich gebrannt haben, alles liegt voll mit verkohltem Holz.....und trotzdem sind viele Bäume noch am Leben und grün, die Natur ist grandios. Der Grenzübergang war absolut reibungslos, nur bei einer Geschichte gab es..... Irritationen. Alexej in Irkutsk, mein lieber Gastgeber auf der Datscha, hatte mir einige Halbedelsteine geschenkt, früher hat er daraus Schmuckstücke gefertigt. Diese hatte ich einfach in meine Mittelkonsole gelegt und vergessen..... auf der russischen Seite dann grosse Aufregung, man hatte die Steine entdeckt und wusste nun nicht wie sie das einordnen sollten...wollte dieser lange Njemetz etwa schmuggeln? Ich habe ihnen die Geschichte versucht zu erklären.... sogar eine Dolmetscherin kam....der Oberzöllner wurde gerufen und mit mal standen 10 Uniformen um mich rum. Ich gab der Dolmetscherin mein Telefon, sie sollte Alexej anrufen und sich die Geschichte bestätigen lassen. Nach über einer halben Stunde Palaver, kam eine Zöllnerin, gab mir die Steine zurück, sagt ich soll sie in die Tasche stecken und ruhig sein.....hä? Dafür stehen wir hier in der Hitze und …..aaaagggrrrrr........ und einer der Steine fehlte.... ein Bernstein. Ein anderer der ganzen Truppe winkt mich herbei und zeigt mir den Weg in einem grossen Gebäude zur Imigration.... auf der Treppe lächelt er verlegen, greift in die Tasche und gibt mir den Bernstein..... soweit das mit der Russischen Ehrlichkeit. Es sind wunderbare Menschen hier.
Die Mongolei begrüsst mich mit Hitze.....und kurz nach der Grenze mit Gewitter. Klasse, die Temperaturen fallen von über 30°C auf die Hälfte, innerhalb weniger Minuten.

Gegen Abend erreiche ich in Ulaanbaata das Oasis Guesthouse ( www.guesthouse-oasis.mn ). Viel hatte ich darüber gelesen und gehört. Man soll Schnitzel mit Pommes bekommen können..... Reisende aus aller Welt treffen sich dort, ähnlich wie in Tamanrasset, Algerien in den 80ern und 90gern.

 

 

 

 

 

 

 

 

Als ich ankomme ist das Tor geschlossen. Die Gäste hinten auf dem Grundstück kümmern sich nicht um uns, denn hinter mir fuhr ein Niederländischer Land Cruiser ebenfalls bis an das Tor. Der Fahrer des LC schiebt kurzerhand das Tor auf und geht ins Haus, ich hinterher..... Sirma, die stellvertretende Leiterin, ist noch im Haus, spricht sehr gut Deutsch, weist uns ein und zeigt die Stellplätze. 15 Eu pro Nacht inkl. Duschen, aber ohne Frühstück...... schluck. Es gibt eine Wäscherei, Frisör, Beautysalon....
Draussen komme ich in Gespräch mit einem Australier, ebenfalls einen Land Cruiser mit Wohnkabine.

Das war es aber auch schon....es steht noch ein Iveco mit Kofferaufbau aus Deutschland dort, aber die Bewohner sondern sich ab, sie haben einen Defekt am LKW und standen schon ein paar Wochen hier.... ich schlender zu den Motorrädern rüber..... die sind nur unter sich, mit so einen Typen der ein Haus mit sich rumfährt sprechen diese harten Kerle nicht.... ausser zu einem Mädel aus Deutschland konnte ich zu keinem Kontakt herstellen, man wurde konsequent ignoriert.

Das Mädel meinte zu mir noch, mit dem Motorrad würde sie nie wieder in die Mongolei fahren, das ist inflationär. Jeder macht das..... ja, es waren ca. 25 Moppeds dort. Ich liess also Wäsche waschen, Haare schneiden, kaufte im Supermarkt gegenüber ein, hatte 2x Schnitzel und verliess nach 2 Nächten das Oasis.

Die Leute dort, das Personal, waren super nett, hilfsbereit und immer offen für Fragen, besonders Sirma war immer ansprechbar... das Publikum war eine absolute Enttäuschung. Sowas arrogantes habe ich selten erlebt, bin ja nun auch einige Jahrzehnte mit dem Motorrad gereist. Fazit: es kann eine blöde Momentaufnahme gewesen sein....aber das war keine Gruppe die da waren, das waren alles einzeln Reisende, nur kleine Gruppen mit 2 oder 3 Moppeds. Auch ist das Oasis nicht daran Schuld, aber ich muss da nicht noch mal hin. 15 Eu / Nacht ist mir zum alleine rumsitzen zuviel. Es kann gut möglich sein, dass es zu einer anderen Zeit besser gelaufen wäre, aber so lange konnte ich nicht warten..... schade, denn ich hätte mich gerne ein paar Leuten für eine gemeinsame Erkundung angeschlossen......
Der Weg an den grossen See im Norden soll kpl. geteert sein hatte man erzählt, auch meine belgischen Freunde schrieben das..... gut, das sehe ich mir gerne an. Der kleine Baikal, wie der Khövsgöl Nuur auch genannt wird, soll sehr schön sein, so auch mein Reiseführer. Ich verlasse Ulaanbaata direkt nach Westen raus und komme wirklich auf eine sehr gut zu befahrende Asphaltstrasse...... nach 85km zweigt der Weg ab, es geht nach Nordwest..... auf Sandpiste. Was soll denn das? Ich folge der Piste noch ca. 30km, dann weiss das Navi nicht mehr wo wir sind und ich schon gleich gar nicht.



Ein Mongole steht mit Frau am Pistenrand und und macht Picknick. Ich zeige meine Karte und er lacht sich kaputt..... warum bist Du den nicht zuerst nach Norden und dann nach Westen gefahren? Dort oben, da ist prima Strasse, hier ist doch schlecht......

Von Ulaanbaata aus 170km nach Norden geht eine Strasse kurz vor der Stadt Darkhan ab Richtung Westen...... klasse. Ich fahre zurück, etwas durch die Stadt durch und dann ab nach Norden. Auf meiner Karte ist das alles nicht eindeutig was Sand und was Asphalt ist.... ich ärgere mich. Aber eigentlich mehr über mich, hätte ja Sirma fragen können wo man lang fährt, sie war gerade am See.

Irgendwann bin ich zu Müde und biege ab, stelle mich auf das Land. Bäume gibt es nicht, Wege abseits der Strasse auch nicht, manchmal eine Piste oder Spuren..... was bleibt einem übrig als sich ein paar Meter von der Strasse zu stellen und hoffen das einen keiner belästigt..... War dann auch OK, ein paar Autos hielten und machten Handybilder von meinem komischen Auto, sonst nichts.

 

Am nächsten Tag weiter und nach ein paar Stunden erlebe ich Naturgewalt.

Gewitter.....gut 30min zucken Blitze über das Land, dann bricht es los, Hagel gross wie Nüsse, Sturm, Regen......und alles viel und heftig. An fahren ist nicht zu denken, selbst die Mongolen halten an. Es ist duster wie bei Nacht, alles wackelt, der Hagel knallt auf Scheiben und Blech.... nach einer halben Stunde ist es vorbei, der Himmel wird langsam heller. Was ich dann sehe verschlägt mir den Atem.... dort wo eben noch Grassteppe war, verläuft ein reissender Fluss. Grosse Haufen von Hagel türmen sich am Wegesrand. Die Strasse ist überflutet. Sobald es irgendwie geht, oder auch nicht....drängeln die Mongolen schon wieder, dass dadurch der Verkeht kpl zum erliegen kommt, daran wird kein Gedanke verschwendet. Nur mühsam löst sich das Chaos und es beginnt wieder zu rollen.... noch lange nachher fliessen Wassermassen an und über die Strassen, das Land war knochentrocken und konnte nichts aufnehmen.

In Darkhan hole ich noch Geld aus dem Automaten, denn hier kann man nur mit Bargeld tanken, Kreditkarte geht nicht. Und auch das Tanken selber ist wieder anders als in Russland. Man wird betankt.... es kommt jemand, meistens Frauen, ans Auto, man drückt ihr Geld in die Hand und Schlüssel, sie tankt für diese Summe, bringt den Schlüssel und gut ist. Anders als die Mongolen die es wirklich genau so machen, steige ich aus, versuche mühsam ein kleines Gespräch. Russisch sprich keiner der jüngeren mehr, ein paar wenige Englisch, ganz selten mal Deutsch. Und mongolisch hört sich für mich, vom Klangbild, an wie chinesisch.
Bis zum Khövsgöl Nuur ist die Strasse tatsächlich klasse, grosse und tiefe oder kurze Wellen, der Wagen kommt nie, nie zur Ruhe, aber keine Löcher oder tiefen Risse.

Ab Murun geht die Strasse gerade nach Norden bis zum Ort Khatgal. Kurz vor dem Ort kommt ein Schlagbaum, man muss 3000 Tugrik bezahlen, 1,50 Eu etwa und sich dann für die Ost oder Westseite entscheiden. Der Osten ist erschlossen, es gibt viele Gercamps (russ. Jurtencamps) und die Piste soll zwar aus Sand, aber gut zu fahren sein. Ich entscheide mich für den Westen.

Und dann beginnt die härteste Prüfung für meinen 60er...... es ist alles dabei, tiefte Löcher, steile Ab und Auffahrten, Flussquerungen.... sengende Hitze, Staub der alles einnebelt, inkl der Kabine.



54 km, für die ich 3,40 Stunden brauche, fahre ich hinein, meistens in den Bergen, vom See ist wenig zu sehen, ab und zu blitzt es mal blau auf.



An der ersten Möglichkeit fahre ich ans Ufer, nur ein paar Meter neben der Wasserkante. Aus, schluss, vorbei.

Auch dieser Versuch scheitert an Mensch und Maschine. Ich hatte in Murun Vorräte für mindestens eine Woche gebunkert, wollte etwas am See bleiben.....aber noch weiter quälen? Wozu? Für ein paar schöne Eindrücke oder Bilder?
 

Ich gehöre nicht zu den Leuten, die stundenlang einen Berg besteigen und dann auf DAS Licht warten um DAS Bild zu machen.... also, genau wie die kläglich gescheiterte Tour nach Wladiwostok, ergebe ich mich hier auch. Der Unterschied ist dennoch gross, die Mongolei war nie mein Reiseziel, nur aufgrund der Visabestimmungen kam ich in das Land, Wladiwostok war ein Ziel, ein grosses.....
Eine Nacht bleibe ich, dann geht es genauso langsam zurück.

An der Weggabelung im Süden des Sees fahre ich dann doch noch einmal im Westen hoch.....und drehe nach ein paar Kilometern um, Malle in Mongolia.... Touristen, Buden, Restaurants.... furchtbar. Bei einem Hochplateau auf der Strasse zurück nach Darkhan, bleibe ich 2 Tage um Bilder und Filme zu Sichern und Sichten.

Fahre dann nach Darkhan rein, kaufe für meine Familie Souvenirs...... und realisiere, dass ich mich seit der Abfahrt vom Khövsgöl Nurr auf der Rückfahrt meiner Reise befinde. Der Weg nach Osten ist versperrt, das hatte ich versucht..... im Süden bin ich, und egal ob ich noch mal in den Norden fahre..... im Prinzip geht es Richtung Westen.

Ich bin etwas ratlos, das Gefühl in mir ist nicht eindeutig..... ich freue mich wahnsinnig auf meine Frau und Kinder... auf frische Brötchen von Traute aus dem Dorfkaffee, auf deutsches Essen.....aber es ist auch eine gewaltige Menge Wehmut dabei. Wer kann schon so frei leben, reisen.... fast ohne Zeitbegrenzung, auch wenn das Geld knapp ist, aber Geld macht keine Freiheit aus, es kann helfen...nichts weiter. Stehen wo und wie lange man will, Feuer machen, Grillen...... im grössten und saubersten See der Erde baden....?
Es sind ja noch ein paar Wochen..... und zuerst werde ich mal wieder an den Baikal fahren, das ist beschlossen. Erst mal wieder am „heiligen Meer“ sein, dann sehen wir weiter.
Kaufe unterwegs noch ein frisches Brot und hinter mir sagt jemand „Guten Tag“ Das ist an sich nicht so ungewöhnlich, viele können genau das sagen, mehr nicht. Wenn aber ein Mongole weiterspricht und es hört sich an wie ein deutscher...... dann schaut man erst mal blöd. Ich habe leider seinen Namen vergessen, aber er arbeitet an der Mongolisch Russischen Grenze und war 13 Jahre in Berlin, hat dort Studiert. Er erzählt etwas und ich bin fasziniert.... sogar einen berliner Dialekt hat er. Auf meine Frage wann die Grenze schlisst, meint er, gar nicht, die ist 24x7 offen. Also fahre ich, auch wenn ich schon 5 Stunden hinterm Lenkrad sass, doch noch zur Grenze.
Lange Schlangen mit Mongolischen Kennzeichen.....von vorne winkt eine Uniform, ich soll vorfahren, Touristenbonus. Aber warten, warten, warten..... endlich bin ich an der Reihe, die Mongolen schauen überall mal in die Schränke, lassen sich erklären warum ich einen ganzen Kasten mit kleinen Schnapsflaschen mit habe, einer probiert ausgerechnet einen Pfefferminzschnaps.... das Gesicht erhellt sich...Likör...äh....ja....das hatte ich ihm die ganze Zeit gesagt....... macht nix, alle nett und freundlich.
Dann wieder warten, die Russen fertigen nicht ab, das Niemandsland ist voll. Es ist nach 1800 h und evtl ist Schichtwechsel. Endlich geht es weiter..... ein paar Wagen vor mir ein völlig verschrotteter MG aus England, keine Scheinwerfer mehr, Kotflügel mit Panzerband angeklebt, Reifen blank und zwei Kerle drin, die aussehen als wären sie Wochen mit diesem Auto ohne Dach (es war mal ein Cabrio, jetzt ist es nur noch ein Auto ohne Dach...) unterwegs. Es ist auch so, sie fahren die Rally Mongul. Start ist in England, die Mongolei wird durchfahren und das Ende ist aus Zollgründen Ulan-Ude, Russland
(weil ich die beiden am Grenzposten getroffen habe, gibt es leider kein Bild, dort ist es verboten zu Photographieren)
Hier ein Auszug aus Wikipedia:
The Mongol Rally is a car rally that begins in Europe and originally ended in Ulan Bator, Mongolia. To avoid punitive costs and taxes associated with vehicle imports and disposal, the rally now passes through Mongolia and ends in Ulan Ude, Russia. The principal launch is from London, United Kingdom, with subsidiary starting points in the Czech Republic. It is described as the "greatest adventure in the world". There are three fundamental Rules of the Rally:

1. The car must be small and rubbish

2. Teams are totally unsupported

3. Teams need to raise at least £1000 for charity

Diese beiden Typen waren echt durchgeknallt, so dermassen, dass sie die Grenzer fast zum Wahnsinn brachten. An der Grenze muss man zwei Formulare, jeweils 2 Fach, ausfüllen. Einmal die Migrationskarte und die Zollerklärung für das Auto.... die Migrationskarte wird zweisprachig auf einem Bogen gereicht, das ist einfach. Die Zollerklärung muss man sich holen, oder nimmt sich im Zollhäuschen weg....da liegen aber nur die auf russisch rum, die Englischen sind unterm Tisch. Die Rallyfahrer greifen sich ein Formular auf Kyrillisch und füllen aus....... weder der Sprache noch der Schriftzeichen mächtig, ein und nicht zwei Formulare. Als sie an der Reihe sind, bekommt der Oberzöllner einen Herzkasper, schreit die beiden an..... hörte sich für mich an wie: Wollt Ihr mich verarschen????
In ruhigerem Ton, mit ein paar Brocken Englisch versucht er zu erklären.....das schlägt fehl. Ich stehe hinter den beiden und erkläre dann wie es abzulaufen hat, das bringt den Zöllner noch mehr auf die Palme, wo ist Dein Auto schreit er mich an? Draussen.....sag ich.....dann geh dahin und warte bis ICH komme..... oh ha, bloss weg hier. Aber auch dort mache ich wieder einen Fehler, denn anstatt in der Hitze im Auto zu sitzen spreche ich mit ein paar Russen, einer kann ganz gut Englisch..... kaum stehe ich an deren Auto, kommt der nächste Uniformträger und schreit mich an, ich soll an MEINEM Auto warten.....irgendwie war der Wurm in dem ganzen dachte ich so bei mir.....was kann daraus werden, jetzt habe ich schon zwei verärgert....am längeren Hebel sitzen die, wenn die wollen, dann räume ich das Auto aus.....und wenn es zwei Tage dauert. So ähnlich kommt es dann auch....als sich der Herr Oberzöllner dann abgeregt hatte und mein Auto kontrollieren mag, bin ich gespannt..... er zwinkert mir zu, lässt Motorhaube öffnen, sagt Charoschie Maschina (toller Motor) und will in die Kabine..... mir schwant böses..... er rein, so schnell hat noch nie jemand die Treppe genommen, dreht sich einmal im Kreis, zückt den Laufzettel, drückt den Stempel drauf und sagt GO. Ich bin fertig....in doppeltem Sinn. Ist nicht meine erste Grenze, früher als es noch Grenzen in Europa gab bin ich schon viel gereist, 2013 und und jetzt 2015 diverse Grenzen gehabt, aber so etwas hab ich noch nicht erlebt...... mein Spassiba Balschoje hört er kaum noch, so schnell ist er wieder weg. Klasse Typ, andere hätten ihre Macht ausgenutzt....
Es ist spät geworden und bei Dunkelheit fahre ich ungern, aber die Zeitverschiebung schenkt mir an der Grenze eine Stunde und so mache ich noch 80km, fahre zurück zu dem kleinen verbrannten Wald vom Hinweg.
Ich schrieb: Mongolei, ein Land ohne Wasser......das ist mir aufgefallen:
Das Ger (russ. die Jurte) stehen mitten im Land irgendwo, kein Baum, kein Strauch, kein Fluss oder Brunnen ist in der Nähe, sie fahren weite Strecken mit den kleinen Motorrädern oder Autos um eine kleine Tonne oder ein paar Kanister mit Wasser zu holen. Es sind aber fast immer grosse Viehherden mit ihnen. Wo trinken diese Tiere? Da ist weit und breit nichts. Leben die nur vom Morgentau? Der fällt morgens reichlich, die Wiese war klatsch nass. Mongolen leben dann viel von der Milch der Tiere, sei es Schaf, Ziege, Pferd, Yak oder Rind. Aber auch die Tiere brauchen ja Wasser um Milch geben zu können. Ich bin noch nie, ausser in der Sahara, aber da leben keine Menschen, durch so ein trockenes Land wie die Mongolei gefahren. Alles ist staubig, die grossen Herden von Schaf und Ziege fressen alles kurz und wenn die Herde sich bewegt staubt die Erde wieder. Grosse, wunderschöne Pferdegruppen, Pferde mit Merkmalen des Wildpferdes..... alles im Staub. Man sagt ja, dass die Mongolen die Milch der Tiere benutzen um sich damit zu waschen...... einmal hielt mich ein Mann an, so mittleres Alter, er überholte mit dem Mopped und machte die Handbewegung anhalten...... als er näher kam, blieb mir die Luft weg..... er stank nach saurer Milch. Sogar auf meinen Sitz wollte er sich setzten.... der Geruch blieb lange im Wagen. Und dann dieses Fordern....er sieht in der Vorratskiste Bier und möchte es haben....



Und ich komme mit den ganzen Einengungen nicht zurecht, ob das nun die Tradition oder die Religion ist.... an einem Oovo, also ein heiliger Ort, soll man anhalten und drei mal im Uhrzeigersinn rumlaufen, dann ist man als Reisender beschützt..... da hat irgendjemand mal ein paar Steine aufgeschichtet und ne blaue Fahne an einen Stock gebunden und nun ist es plötzlich ein heiliger Ort. Die ganzen Riten und Rituale beim Begrüssen, Geschenke übergeben, Sitzordnung im Ger.... nee, ich will das alles nicht, das ist mir zu eng, das ist zu festgelegt, zu religiös. Auch das alles ist ein Grund warum ich so schnell wie möglich wieder nach Russland möchte. Russland ist frei, ich bin in Russland frei. Ich kenne Leute die sind völlig fasziniert von der Mongolei und seinen Menschen, das ist gut, wäre ja auch furchtbar wenn alle so wie ich empfinden würden. Aber ich nehme mir, diesmal noch mehr als 2013 das Recht raus, die Mongolei nicht zu mögen.
Soweit ein paar Gedanken......

Der nächste Tag soll mich zum Baikal bringen..... schon in Ulan-Ude, 150km vom Baikal ist die Luft beissend, alles voll Rauch. Je näher ich dem See komme, desto schlimmer wird es. Am See selber ist die Sichtweite unter 100m, teilweise noch viel niedriger.

Vor zwei Wochen hatte ich auf Facebook geschrieben, dass die Halbinsel „Heilige Nase“ brennt..... sie brennt immer noch, dazu wie ich später erfahre, stehen auch auf der Insel Olchon weite Gebiete in Flammen.
Bis zu „meinem“ Platz bei Maximicha fahre ich, alles voll..... schon auf der einzigen Strasse von Ulan-Ude bis zum Baikal kam ich mir wie auf einer Rennbahn vor, ständig überholten Autos, lange Kolonnen voll mit Leuten und Gepäck, und es war Freitag.

Bis Ust-Bagusin fahre ich, in der Hoffnung, dass es dort bessere Luft hat, die Stadt liegt unter einem dichten, beissenden Smog. Im Supermarkt fülle ich noch mal auf, auch er ist fast leer gekauft, Massen an Menschen und Autos. Zurück an den See in der Hoffnung einen Platz zu finden..... es dämmert, wird bald dunkel. Ich fahre einen Sandweg rein und entdecke tatsächlich eine winzige Nische zwischen den Bäumen, rückwärts muss ich da rein, der Boden ist sehr uneben, ich versuche mit den Auffahrklötzen den Wagen gerade zu stellen, Rangieren auf aller engstem Raum. Ich stehe.....immer noch schief, aber erträglich. Den See kann ich durch ein paar Bäume sehen, aber nur die Wasserkante, alles dahinter verschluckt der Rauch. Als ich am Morgen erwache, habe ich hämmernde Kopfschmerzen und meine Kehle ist wie ausgetrocknet. Bloss weg hier... Ich schaue auf die Karte, Babuschkin ist der letzte Ort wo ich noch an den Baikal komme, hoffentlich ist es auch weit genug von den Feuern weg. Denn ich habe beschlossen die Reiseberichte weiter zu schreiben und möchte gerne dazu am Wasser stehen und gutes Internet haben. Babuschkin kenne ich von der Hinreise. Wieder geht es auf der abenteuerlichen Fähre über die Selenga, ab nach Süden......

überall brennen die Wälder....dicke Rauchschwaden steigen aus den Bergen auf.



Einige sind vorsätzlich gelegt, andere sind einfach Selbstendzündungen aufgrund der Trockenheit und der Hitze. Verbranntes Holz darf und muss auch in Nationalparks geschlagen werden, so kommen die Holzhändler an billiges Holz für den Chinesischen Markt, ein völliger Irrsinn das ganze.

Auf dem Weg Richtung Süden hat man das Gefühl ganz Ulan-Ude fährt zum Baikal..... ähnlich wie zum Sommer die Autobahnen zur Ostsee oder nach Dänemark völlig verstopft sind, so ist die Nordrichtung dicht. Auto an Auto.... und am See war doch jetzt schon kein Platz mehr, dazu noch die Luft die keine ist...... wo wollen die alle hin????

Jetzt hilft den Burjaten eine Eigenheit die viele Asiaten haben, Distanzlosigkeit. Eng an eng steht man zum Beispiel an Kassen, Zollhäusschen oder wo sonst Menschen in grösserer Menge vorhanden sind. So stehen sie am Baikal auch, dicht bei dicht stehen Autos und Zelte.... Kuschelcamper sagt man in Deutschland dazu...., ich mag das überhaupt nicht.

In Babuschkin ist kaum etwas los, ein paar Zelte.

Das liegt einmal am Steinstrand, Sandstrand ist natürlich attraktiver.... zum anderen daran, dass die Transib direkt zwischen Dorf und Strand fährt. Und ein Bahnhof ist auch noch in der Nähe, teilweise im Minutentakt kommen von dort über Lautsprecher Ansagen. Alles nicht so richtig gemütlich, für mich aber das Richtige. Ich stelle mein Auto direkt an den Strand, Blick von der Sitzbank auf das Wasser.

Hier sitze ich nun und schreibe..... bis spät in die Nächte ;-)

Wie es weiter geht? Weiss noch nicht genau, werde erst mal ein paar Tage bleiben und arbeiten, dann wohl nach Irkutsk auf die Datscha meiner lieben Freunde.....und dann??

Bis bald.....bleibt gespannt.

PS: Wie immer bitte ich die Bildergalerie zu beachten, in drei Alben sind über 200 Photos für Euch.

 

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