Siegesparade 9. Mai, Moskau

Verfasst am: 12.05.2015

9. Mai, Parade zum 70. Tag des Sieges in Moskau

Sehr früh sind wir auf den Beinen und rufen ein Taxi. Sergej von „Rus-Sim“ hatte uns die Strasse Puschkinskaja an dem Puschkin Denkmal empfohlen, dort sollte man recht nahe ran kommen an die Parade. Gegen 0730 h stehen wir an den Absperrungen …. was für eine Enttäuschung, die Fahrzeuge sind gute 100m entfernt, nur durch das Teleobjektiv kann man etwas erkennen. Viele Menschen sind noch nicht vor Ort, alles ruhig. Doch so langsam füllt es sich.... es werden mehr und immer mehr... schon bald ist die Menschenmenge unüberschaubar. Plötzlich marschieren Polizisten in blauer Camouflage Kleidung auf und bitten die „Bürger“ doch ein paar Meter zurück zu weichen. Super nett und freundlich wird diese Aufforderung in das Megafon gesprochen, bis alle ca. 30m weiter weg von der eigentlichen Strecke sind. Jetzt stehen wir rund 130m weit weg. Doch das sollte sich bald ändern. Denn jetzt kommt die Stunde der zivilen Arbeiter, sie stellen Metalldetektoren auf, das soll Sicherheit suggerieren.... Anschläge könnten so verhindert werden. Theoretisch.....
Dunkelblau Uniformierte Polizei zieht auf und dann gegen 0930 h werden die „Bürger“ gebeten langsam und einzeln durch die Detektoren zu gehen, Rucksäcke oder Taschen vorzuzeigen..... in der Praxis werden die Herren in Uniform einfach überrannt. Alles rennt zur Strecke, jeder will den besten Platz... wir auch. Jutta ist ganz vorne weg und kann ein paar Plätze auf einer ca. 1m hohen Mauer ergattern, ehe ich dort angehinkt komme, wäre alles belegt gewesen. Wir haben Logenplätze.... dachten wir, hatten wir auch, aber andere sahen das genau so. Ein drängen, schieben und ziehen.... jeder will noch eine bessere Aussicht, den noch besseren Platz. Als die Parade gegen 1030 h endlich beginnt, ist die Menschenmasse so gross, dass sich keiner mehr bewegen kann, die Arme bleiben entweder unten oder oben, zum bewegen ist kein Platz mehr. Trotzdem ein leichter Wind geht, kann man kaum Atmen, die menschlichen Ausdünstungen schwängern die Luft. Es wird geschoben und gedrängelt, selbst zwischen unseren Beinen versuchen einige auf die Mauer zu kommen und dann einen Platz in dem kleinem Park am Puschkin Denkmal zu ergattern. Polizisten versuchen immer wieder die Menge zu beruhigen, sehr freundlich aber bestimmt.
Als dann die Motoren der Fahrzeuge und Panzer gestartet werden, erklingt ein millionen faches Uuuurrrrrraaaaaahhhh..... Ohrenbetäubend, Gänsehaut pur. Russia Rufe und immer wieder Urah. Jede neue Waffengattung wird bejubelt. Nach einiger Zeit wird es auf der Mauer für uns zu gefährlich, wir treten den geordneten Rückzug in den Park an. Auf einer grossen Videoleinwand kann man verfolgen was auf dem Roten Platz geschieht. Plötzlich über uns ein Donnern, Hubschrauber in Formation.... wieder ohrenbetäubender Jubel, Staffel auf Staffel folgt, um immer wieder neu bejubelt zu werden..... als dann die Jagdflieger in Formation einer 70 über uns sind, kennt der Jubel keine Grenzen mehr. Genauso wie etwas später die Flieger, die die Russischen Farben weiss, blau, rot an den Himmel malen. Was für eine Begeisterung, was für ein Stolz auf die eigene Geschichte. Und es sind nicht die alten, die Veteranen am lautesten, es ist die Jugend und jungen Erwachsenen. Jeder trägt hier das orange/schwarz gestreifte St. Georgsband als Schleife oder Knoten an der Kleidung, ein Band zum Gedenken an die Tapferkeit und Helden der Roten Armee. Viele tragen T-Shirts mit Wladimir Putin drauf, Russische Fahnen überall.
Die Parade ist zu Ende, wir sind einfach müde und gehen aus dem Park. Nun noch schnell ein Taxi rufen und ab nach Hause.... was für ein Tag, was für ein Erleben.
1995 war ich mit einer Delegation der evangelischen Kirche in Gomel, Weissrussland. Dort durften wir an den Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag teilnehmen..... mit vielen Reden von Politikern und Veteranen. Nun, 20 Jahre später darf ich es in Moskau erleben. Der Stolz auf den Sieg über den Faschismus hat nicht nachgelassen..... denn bekämpft wurde von Russischer Seite nie Deutschland, immer aber der Faschismus. Ich schliesse mit einem Zitat aus der Pressekonferenz die Angela Merkel und Wladimir Putin am 10. Mai 2015 hier in Moskau gehalten haben:
"Unser Land kämpfte nicht gegen Deutschland, sondern gegen Nazi-Deutschland. Deutschland wurde das erste Opfer der Nationalsozialisten. Das heutige Deutschland ist unser Partner und unser befreundetes Land", sagte Putin mit Blick auf das Weltkriegsgedenken.
Dem ist nichts hinzu zu fügen.


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