Tage am Baikal

Verfasst am: 26.06.2015

Aus den „paar Tagen“ sind dann 8 Tage geworden, der Platz war einfach zu schön und Zeit haben wir noch genug. Langweilig ist uns nie, denn es gibt immer etwas zu tun. Mal sind es kleine Sachen am Auto oder der Ausrüstung die nachgesehen werden, immer ist es aber Holz machen für das Lagerfeuer am Abend. 

Der Abschluss eines Tagen muss am Baikal mit einem Feuer gefeiert werden, wie sonst sollten die Elemente zusammen kommen. Erde, Feuer, Wasser und Licht....drei davon schenkt uns die Natur täglich und es ist an uns das Feuer zu entzünden. Wo könnte man besser Klarheit in seine Gedanken bringen als am Wasser bei einem Feuer?

Wir opfern jeden Tag einen halben Baum und der Baikal zeigt sich Gnädig. 8 Tage Sonne bei leichtem Wind und um die 20°C, da kann man ein paar Tage bleiben und geniessen.
In der nächsten Ortschaft, Novi Enkleluk, kann man für viel Geld die nötigsten Lebensmittel kaufen, so alle zwei Tagen machen sich Wolfgang und ich auf den Weg und holen Wasser aus dem Brunnen, Bier und Wodka aus dem Laden. Durch den feinem Sand am Ufer ist das Wasser trübe, selbst filtern durch ein Tuch reicht nicht aus, und so sind wir gezwungen das Wasser aus einem ca. 10m tiefen Brunnen zu holen..... leider habe ich nicht ein Photo davon.....

Das Gebiet ist sehr bekannt für seine Strände und das im Sommer relativ warme Wasser von 10°C, und so herrscht auf dem Platz ein reges kommen und gehen. Manchmal ein paar Männer die Fischen wollen, Familien, Paare. Es ist für uns sehr verwunderlich was für einen Aufwand die betreiben um ein paar Stunden am Baikal rasten zu können. Da werde Unmengen an Lebensmitteln aus dem Auto geholt, manchmal wird ein grosses Zelt aufgebaut, immer ein Feuer entfacht für das obligatorische Schaschlik.

Das hat folgen für die Natur, einige lassen ihren Müll zurück (meist Russen, Burjaten kaum) und es gibt kein trockenes Holz in der Umgebung. Denn das ganze Gebiet ist unter strengem Naturschutz, Bäume dürfen nur gefällt werden wenn sich im Frühjahr gar kein grün zeigt. Wir gehen manchmal weite Wege um noch trockene Bäume zu finden.

Besuch kommt fast täglich zu uns, einer fasst sich dann ein Herz und spricht uns an, meist Russisch, sehr selten mal Englisch. Jenja der Fischer kommt zwei Abende vorbei, sitzt nur 50cm entfernt, kippt Literweise Bier in sich rein und brüllt mir ins Ohr. Ich bin sein Freund, nach dem zweiten Abend gar sein Bruder..... als er fast vom Stuhl kippt, nehme ich ihn an die Hand und bringe ihn zu seinem Kameraden. Am nächsten Morgen klopft er noch einmal, dicke Umarmung und auf Wiedersehen, Russische Seele.

Einige Fischer sind ständig in der Nähe, wir vermuten eine Gruppe von Schwarzfischern, denn wir dürfen sie nicht aus der Nähe Photographieren. Eine für uns merkwürdige, aber sicher in langen Jahren erprobte Fangmethode haben sie. Ein Stellnetz wird mit zwei Holzbooten weit, sehr weit draussen im Meer aufgestellt. Die Holzboote haben keinen Antrieb, eines dieser nervig lauten Aluminiumboote zieht jeweils ein Holzboot raus bis hinter den Horizont. Beide Boote sind einige Kilometer auseinander. Abends kommen die Holzboote an das Ufer, werden jeweils an einem alten Urallastwagen festgemacht. Dann läuft die Winde im Holzboot an....... über Stunden sieht man die Leine halbkreisförmig durch das Wasser ziehen. Sehr spät in der Nacht kommt das Netz...... meistens fast leer.

Der Baikal ist völlig überfischt, trotzdem werden sie weitermachen bis kein einziger Omul mehr im See ist, denn sie haben keine Wahl. Arbeit gibt es hier keine.... schon lange nicht mehr. In der Sowjetunion gab es Arbeit für alle, im NeuKapitalismus muss jeder selbst wissen wir er zurecht kommt. Ich will damit nicht den Kommunismus loben, aber das was hier jetzt herrscht, kann und wird nicht der Weisheit letzter Schluss sein, sein können. Sanfter Tourismus in Kooperation mit Europa könnte eine Chance sein, aber das Tor nach Europa haben wir ja gerade fest verschlossen......

In dem kommen und gehen der Besucher diesen schönen Fleckchen Erde fällt eine Gruppe von jungen und älteren Leuten auf. Sie sind viel ruhiger, alles läuft fast leise ab..... aus irgendeinem Grunde spricht uns ein junger Mann der Gruppe an, in perfektem Englisch. Slawa ist Dolmetscher für Englisch und Russisch in China. Die Gruppe ist bunt zusammen gewürfelt, verstehen sich offensichtlich gut. Am Feuer bleiben Slawa und ich noch lange alleine sitzen und reden bis gegen 02:00 Uhr. Es sind Zeugen Jehovas. Nach dem Abend weiss ich, dass ich einen Freund mehr in Russland habe..... viel hat uns verbunden, wenig war unverständlich. Trotzdem wir aus verschiedenen Welten, nicht nur räumlich, sondern auch religiös kommen, war ein starkes Band der Sympathie zwischen uns. Abende die nicht vergessen werden.

Per WhatsApp fragen Zahra und Matties aus Belgien an wo ich mich rumtreibe. Wir hatten seit dem ersten Treffen in Riga locker Kontakt gehalten...... nun sind sie ein paar Kilometer vor Irkutsk und würden uns gerne wiedersehen. Tatsächlich sind die beiden nach nur zwei Tagen bei uns im Camp und das Wiedersehen wird mit viel Feuer, Schaschlik und ein wenig Wodka gefeiert. Sie fahren fast die selbe Route wie Wolfgang und Jutta, haben aber ein ganzes Jahr Zeit. Der Lada Niva musste inzwischen 2 mal in die Werkstatt, doch Matthies Überlegungen warum er einen Lada genommen hat, erwiesen sich als Goldrichtig, sehr günstig und schnell wurde das kleine Allradler wieder fit gemacht.

Hanjo und Stefan, Zwei Luxe auf Fernreise, haben mit Wolfgang Kontakt. Auch sie kommen direkt aus der Mongolei zu uns ins Camp. Nun ist die Hütte voll, mehr geht kaum, denn ich habe nur 6 Schaschlikspiesse mit.... Aber es ist eine Freude Holz zu machen mit so vielen Männern. Hanjo kennt sich sehr gut aus, als Feuerwehrmann ist er, was Bäume zerlegen angeht nicht zu schlagen. Anstatt den Stamm den weiten Weg vom Wald zum Strand an Seilen zu schleppen wie wir es gemacht haben, nimmt er die halbe Kiefer auf die Schulter..... tja.... mit 30 mach man das so....

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Abschied naht.... Wolfgang und Jutta wollen nun endlich in die Mongolei, die Luxe Richtung Westen und ….. ich habe immer noch keine Idee wie ich weiter fahren sollte. Nach einem langen WhatsApp mit der Familie beschliesse ich mich noch noch ein paar Tage am Baikal rumzutreiben, dann aber nach Osten, nach Wladiwostok zu fahren. Das mit dem Rumtreiben gefällt Zahra und Matthies sehr, sie fragen ob wir das auch zusammen machen können..... klar, ich freue mich über Gesellschaft. Wir verständigen uns ausschliesslich Englisch, auch wenn die beiden etwas Deutsch können ist es für alle einfacher so. Der grosse Abschied liegt hinter uns und der Niva fährt mit dem Land Cruiser weiter den Baikal hoch nach Norden.

Richtung Norden, nach Ust-Bagusin

da es von dem Platz wo wir alle zusammen waren, keine Möglichkeit gibt nach Norden zu fahren, müssen wir zurück nach Selenginsk. Was aber ok ist, denn mein Smartphone macht zicken. Abends noch alles in Ordnung, habe ich am Morgen kein schnelles Internet mehr, statt H nur noch E.... und das macht keinen Spass. Ein Check mit Wolfgangs Simkarte bestätigt, es ist nicht das Telefon, mit seiner Karte funktioniert H. Ich kontaktiere Sergej (Rus-Sim) in Moskau, von ihm haben wir die russischen Simkarten..... und dann erfolgt etwas das man kaum in Worte fassen kann. Die Karten haben uns 800 rub, also ca. 15 Eu gekostet, inkl. der ersten Aufladung von 590 rub. Sergej hat also eigentlich nichts an uns verdient. Dafür bietet es einen erstklassigen Service, kümmert sich sofort, ruft Leute bei dem Provider Megafon an, schreibt immer wieder welche Einstellungen ich versuchen soll. In Selenginsk ist ein Mefagon Shop, dort soll ich meine Simkarte tauschen. Im Laden angekommen, ruft Sergej die Dame hinter dem Tresen an, doch leider ist gerade etwas kaputt, sie kann nicht helfen. Na.... egal, ich kann immerhin mit WhatsApp schreiben. (nach drei Tagen ging alles wieder, was es war, was am Ende geholfen hat wissen weder Sergej noch ich, aber DANKE für die Hilfe lieber Freund !! )
Wir fahren nordost...... in einem Ort gibt es lt. Karte und Navi eine Fähre über die Selenga, was wir sehen sind Ruinen und einen Angler. Er deutet zurück, dort ist eine neue Fähre.... nach drei mal fragen finden wir sie. Es ist gerade Mittagspause und so machen wir das gleiche bei einer Chinesischen Nudelsuppe. Diese Instantsuppen sind der absolute Sieg der Chemie über die Natur. Aber sie schmecken..... und gehen schnell.
Die Fähre ist ein Abenteuer für sich.
Aus Pontonbrückenteilen ist sie zusammengefügt, drumrum noch ein paar Sachen geschweisst. An einem dicken Stahlseil wird sie geführt, den Antrieb besorgt ein Boot das mit Stahlseilen an der Fähre fest ist. Das Boot hat einen V8 Dieselmotor und macht gut Lärm. Der Bootsführer kommt noch schnell aus seiner Kabine und erklärt in gebrochenen Deutsch, dass er auch deutscher sein. Beim Anlegen auf der anderen Seite.... ein PKW vor mir möchte behutsam von der Fähre.... dort ist aber nur Sand, kein Asphalt.... prompt sind die Vorderräder im Sand und drehen sich an der Kante zur Fähre. Die Fährmänner schütteln die Köpfe ob so viel Dummheit, einer versucht noch zu schieben, aber das hat keinen Sinn. Der PKW Fahrer schaut zu mir, macht Zeichen ob ich ihn wieder auf die Fähre ziehen könne.... klar doch, er das Seil raus, angehängt, ich in Low Gear.... ein kurzer Ruck, Auto ist wieder frei. Er nimmt die Abfahrt jetzt mit Schwung und es klappt.


Der Weg an der Selenga ist leider Sand und Wellblechpiste und das über viele, viele Kilometer. Wir kaufen noch frischen Omul und rasten dann in einem Lärchen und Kiefernwald. Das obligatorische Lagerfeuer brennt in einem ausgehobenem Loch, bald zieht der Geruch von frisch gegrilltem Fisch durch die Bäume.

Der nächste Tag bringt uns wieder an den Baikal wo wir auf einem kleinen Platau stehen..... , Lagerfeuer rundet auch diesen Tag ab.
Der Weg soll nun nach Ust-Bagusin führen, die Strasse dorthin ist ein Traum....und Albtraum. Über vielleicht 50km ist die Strasse nagelneu und prächtig zu befahren, sogar eine kleine eingefasste Quelle mit Rastplatz gibt es. Dann plötzlich der Albtraum..... Wellblech, Löcher und teilweise weicher Sand. Mehr als 25km/h sind nicht drin, fahre ich schneller übersehe ich die Löcher und dann kracht es im Gebälk. Also anhalten, Luft aus den Reifen.... das hilft ein wenig. 

An einem grossen Buddhistischem OWO ( Ein Steinhaufen, der dazu dient, sein Unglück abzuladen, wenn man auf Reisen gehen will, oder um Opfer zu bringen, wenn alles gut gegangen ist ). beginnt löchriger Asphalt, wir halten. Ich kann mit so einem Ort nichts anfangen, respektiere aber natürlich den Glauben anderer. Üblich ist ein Opfer vom Lebensmitteln, Wodka oder kleinen Münzen.... diese wehen dann auf die Strasse und werden in den Teer gefahren, sieht witzig aus, eine Strasse gepflastert mit Geld.... reiches Russland ;-)

 

 

 

 

 

 

Ust-Bagusin ist eine Enttäuschung, ein runter gekommenes Dorf, staubig und schmutzig. Immerhin gibt es einen Laden mit Eisenwaren wo ich ein Werkzeug zum Kartoffeln ausbuddeln kaufe. Nein, ich habe nicht vor auf meinem Dach Kartoffeln anzupflanzen, das Ding nehme ich auseinander und die beiden Teile mit den langen Zinken werden meine neuen Halter für die Schaschlikspiesse. Die neue Strasse führt am Ort vorbei und so ist nicht einmal der Fährhafen mehr in Betrieb.....


Wir wollen auf die Halbinsel „Heilige Nase“, doch die ist wegen eines Notfalls gesperrt, mehr ist nicht aus der Dame am Schlagbaum rauszukriegen, sogar auf die Frage wann die Nase wieder frei ist, zuckt sie nur mit den Schultern. Na ja, nicht schlimm. Der einstimmige Beschluss lautet: zurück an den See, zurück zur Strasse und dort einen schönen Platz für ein paar Tage suchen. Nach einer Weile finden wir genau diesen Platz, ca. 7m hoch in einem Wald mit Blick auf das Heilige Meer.

Das Fleckchen Erde ist ziemlich abgelegen, es sind aber Feuerstellen zu erkennen. Die Holzsuche ist recht einfach, anders als an belebten Plätzen wo die Umgebung recht abgegrast ist. Denn, dies ist immer noch Naturschutzgebiet. Es darf nur totes Holz geschlagen werden. Matthis findet an seinem Geburtstag einen grossen Stamm der lange im Wasser gelegen haben muss, er ist fast weiss. Beim Sägen nehmen wir schon einen starken Geruch wahr, als wir durch sind ist klar: Dies ist ein Eukalyptus Baum. Wo der herkommt wissen wir nicht, selbst das Internet spuckt keine Informationen aus ob es hier Eukalyptus Bäume gibt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Gewitter mit Sturm lässt uns diesen Abend leider nicht ausgiebig am Feuer geniessen, wir fliehen in die Fahrzeuge. Der Wind blässt heftig und ich bedaure meine Freunde im Dachzelt. Der kleine Lada Niva bietet keine Möglichkeit zum Schlafen, so bleibt den beiden nur eine halbwache Nacht oben in dem schaukelnden Zelt.
Morgen werden wir noch einen Versuch machen die Heilige Nase zu erreichen, wird das wieder nichts, wollen wir schauen was ein Boot zu den Uschkani Inseln kostet, dort darf man für eine Stunde hinter einem Shelter die Baikalrobben, ( Russisch „Nerpa“) beobachten.... das würden wir schon machen, wenn es denn bezahlbar ist.

Bis dann mal wieder..... bleibt gespannt

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